.:ZooGeschichten:.
Geschichten aus dem Zoo – Eisbärbaby Knut, Flocke und Co. …

Futter frei!

I am watching you sleep...
Geschrieben in Zoo Doku Soaps im Zweiten  von reinxen am 10. November 2008

„Eigentlich”, überlegt Tierpfleger Philip Goormann, „muss man sich jeden Tag etwas Neues ausdenken”. Das Futter einfach vor die Tatzen werfen? Nein, da sind die Kodiakbären in der Zoom Erlebniswelt glücklicherweise ein besseres Unterhaltungsprogramm gewöhnt. Honigklötze, Schinkenäste, Duftspuren – bester Stoff für die Zoodoku „Tierische Kumpel”, die derzeit im ZDF ausgestrahlt wird. Im Sommer war das Mainzer Kamerateam drei Monate lang angerückt, um den Tierpflegern bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen.

In einer Folge dreht sich dabei alles um Goormanns Lieblinge Buffy und Brenda. Für die TV-Fütterung der beiden Kodiakbären hatte sich der junge Pfleger etwas ganz besonderes ausgedacht: „Ich habe einen großen Holzklotz mit Honig und Sirup bestrichen”, erinnert er sich, „und den dann ins Wasser geschmissen”. Mit ganzem Körpereinsatz, denn so schwer hatte er den Klotz nicht eingeschätzt. Und auch nicht so klebrig. . .
Lebertran als Autobahn

Dass nicht immer alles nach Drehbuch laufen kann, versteht sich bei der Arbeit mit Tieren von selbst. „Trotzdem versucht man schon, die Geschichten sinnvoll aufzubauen”, erklärt Goormann, „auch wenn die Dinge in echt nicht immer ganz so laufen würden”. Und wenn der Bär mal gar nicht will? „Das passiert bei Buffy nicht”, nimmt der Pfleger sein Tier in Schutz, „dann schon eher bei Brenda, die ist ein bisschen zickig”. Wenn gar nichts zusammenläuft, versucht das Kamerateam eben am nächsten Tag sein Glück. Oder zeigt die Situation so wie sie ist: „Wenn irgendetwas nicht auf Anhieb funktioniert, kann man das ja ruhig auch vor der Kamera zeigen.”

Zukünftig wird Goormann sich deshalb wohl etwas Neues einfallen lassen, aber das macht er ja sowieso jeden Tag. Manchmal spickt er Äste mit Schinkenstücken, ein anderes Mal müssen sich die Tiere Möhren und Fische unter den Steinen des Wasserfalls hervor kratzen. Eine gute halbe Stunde will hierbei für einen vollen Magen schon investiert sein, um Stein für Stein auf der Suche nach Fressbarem umzudrehen. Leichter ist es da, sich auf die Supernase zu verlassen: Hin und wieder zieht Goormann mit Lebertran eine Duftspur durchs Gehege. „Das ist wie eine Autobahn für die Bären”, erklärt er, „manchmal führt sie ins Leere, manchmal wartet am Ende was ganz Tolles”.

Das sind die Momente, wegen denen Goormann Tierpfleger geworden ist. Dass zu einem Job in der Zoom Erlebniswelt mittlerweile auch Interviews vor der Kamera gehören, daran hat er sich gewöhnt. Beinahe jeden Tag sind irgendwo Journalisten im Haus, auf der Suche nach spannenden Tiergeschichten, die die Menschen vor den Fernseher ziehen. Manche Kollegen ergreifen dann schlagartig die Flucht.

Doch Goormann schlägt sich tapfer. Drei Folgen hat er sich auch hinterher angeschaut. „Das reicht dann aber auch, so gerne sehe ich mich selbst dann doch nicht”, zwinkert der junge Mann. Die Zoobesucher jedoch sind mittlerweile Fans geworden, sprechen ihn auf die ZDF-Doku an. „Dann sehen wir Sie ja demnächst wieder – im Fernsehen”.

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