Das Aus für Herrchen gesucht nach 33 Jahren
Da werden wohl alle Proteste nichts nützen: Nach 33 Jahren wird die Sendung „Herrchen gesucht“ aus dem Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks (HR) verschwinden. Wegen der schlechten Einschaltquote wird die Kultsendung am Samstag (6. Dezember) zum letzten Mal ausgestrahlt – trotz der Proteste von Fans und Tierschützern. „Alle wollen die Sendung behalten, aber keiner will sie schauen“, sagt HR-Sprecher Tobias Häuser.
Angefangen hatte die Geschichte der Tiervermittlung im HR 1975 als siebenminütiger Pausenfüller. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die Sendung zu einer der erfolgreichsten im „Dritten Programm“ und verzeichnete teilweise zweistellige Einschaltquoten. Doch davon ist „Herrchen gesucht“ mittlerweile weit entfernt. „Die Einschaltquote in diesem Jahr lag bei durchschnittlich 3,9 Prozent“, sagt HR-Fernsehdirektor Manfred Krupp. Zeitweise hätten sogar nur 1,2 Prozent der Zuschauer die wöchentliche Sendung gesehen. Vor allem an die ARD und Vox, die beide Tier-Doku-Soaps anbieten, habe die Sendung Zuschauer verloren.
In der Sendung können Tierschutzorganisationen aus Hessen und angrenzenden Regionen einige ihrer Schützlinge – Hunde, Katzen und Kleintiere, gelegentlich auch Enten, Gänse, Pferde, Esel, Schweine, Schafe und Ziegen – vorstellen, um für sie via Bildschirm ein neues Zuhause zu suchen.
Der Niedergang von „Herrchen gesucht“ begann laut Krupp ausgerechnet zum Zeitpunkt des größten Erfolges. Als die damalige Moderatorin Barbara Siehl vor sechs Jahren zweistellige Einschaltquoten verzeichnete, forderte und erhielt die Redaktion einen Sendeplatz am Samstagabend. „Von da an ging es mit der Sendung sukzessive bergab“, sagt Fernsehdirektor Krupp.
Nicht zuletzt, weil die beliebte Moderatorin die Sendung Mitte 2005 nach 30 Jahren abgab. „Frau Siehl ist ganz klar eine Identifikationsfigur und war für viele Zuschauer ein Einschaltmotiv“, räumt Krupp ein. Da half es auch nichts, dass Siehls Nachfolgerin und aktuelle Moderatorin Miriam Deforth ein Casting gegen zwölf Mitbewerberinnen gewonnen hatte.
Durch mehrfaches Verschieben des Sendeplatzes versuchte der HR dann vergeblich, „Herrchen gesucht“ aus dem Quotentief zu holen. Doch gerade das war nach Ansicht von Mike Ruckelshaus, Geschäftsstellenleiter des Bundes gegen Missbrauch der Tiere (bmt), ein Fehler. „Die häufige Sendeplatzverschiebung war Gift für die Sendung“, glaubt Ruckelshaus. Er fordert den Erhalt von „Herrchen gesucht“ auf dem früheren Sendeplatz am Montag und mit einem neuen Konzept. Da der Tierschutz als Staatsziel verankert sei, stehe „der HR als öffentlich-rechtlicher Sender in der Pflicht, die Sendung zu erhalten“.
Die Sendung sei eine Plattform gewesen, um zu zeigen, dass schwer vermittelbare Tiere „keine Beißmaschinen“, sondern ganz friedliche Hunde seien, betont der Tierschützer. Durch die Einstellung von „Herrchen gesucht“ befürchtet Ruckelshaus auch negative Auswirkungen auf den Tierschutz in Hessen.
Vor knapp drei Wochen protestierten rund 150 Tierschützer vor dem HR für den Erhalt der Sendung und erhielten dabei unverhofft prominente Unterstützung: Fernsehmoderatorin Sonya Kraus, die ihren ersten Hund selbst über die Sendung bekommen hatte, bot an, „Herrchen gesucht“ ein Jahr lang kostenlos zu moderieren – und das in ihrem kürzesten Rock, wie die Blondine hinzufügte. Der HR reagierte auf die Offerte nicht.
Fernsehdirektor Krupp räumt ein, dass ihm „Herrchen gesucht“ sehr wohl am Herzen liege und die Reaktionen der Fans in mehr als 1000 Anrufen und Briefen teilweise „sehr heftig“ gewesen seien. Unter anderem sammelten Tierschützer mehr als 10.000 Unterschriften zum Erhalt der Tiervermittlungssendung. „Selbst meine Tochter hat gesagt, die Sendung dürfe nicht eingestellt werden, aber selbst schauen will sie sie auch nicht“, sagt Krupp. Und so wird „Herrchen gesucht“ am 6. Dezember wohl trotz aller Proteste letztmalig über die Bildschirme flimmern.

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